Defizitäre hydromorphologische Verhältnisse sind an vielen Fließgewässern des Landes Baden-Württemberg ursächlich für das Verfehlen des – gemäß Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) geforderten – Bewirtschaftungsziels „guter ökologischer Zustand“ bzw. „gutes ökologisches Potenzial“. Durch Umsetzung von Maßnahmen zur Revitalisierung der Gewässer können diese in einen naturnahen Zustand gebracht werden und erbringen wichtige Ökosystemleistungen weit über die Zielerreichung der WRRL hinaus. Die Schaffung möglichst naturnaher Gewässer mitsamt ihrem Umfeld einen unterschiedlichen Flächenbedarf der Gewässerentwicklung. Bislang fehlte in Baden-Württemberg ein systematischer landesweiter Überblick über den mit der Umsetzung der geplanten Strukturmaßnahmen an Fließgewässern verbundenen Flächenbedarf.

INFRASTRUKTUR & UMWELT entwickelte gemeinsam mit Büro am Fluss eine teilautomatisierte Vorgehensweise, um für die berichtspflichtigen Gewässer Baden-Württembergs eine Abschätzung des Flächenbedarfs einer naturnahen Gewässerentwicklung in Form von Gewässerentwicklungsflächen zu ermitteln. Dabei wurde eine Anpassung der LAWA-Verfahrensempfehlung „Typspezifischer Flächenbedarf für die Entwicklung von Fließgewässern“ an die speziellen Verhältnisse und Datengrundlagen für Baden-Württemberg vorgenommen. Die Ergebnisse zeigen den landesweiten Flächenbedarf in einer vergleichbaren Größenordnung, zu der auch die bundesweit durchgeführte Studie des UBA gekommen ist. Sie können künftig herangezogen werden, um bei Planungen entlang der Gewässer aufzuzeigen, wo Flächen für die eigendynamische Entwicklung räumlich gesichert werden sollten bzw. entgegenstehende Nutzungen vermieden werden sollten.